Mittwoch, 9. September 2015

Maifeld Cup 2015

Hü und hot. 



Auf dem Polo Maifeld Cup 2015 ging es wieder heiß her, denn neben den Pferdchen auf dem Rasen wieherte es auch im VIP Zelt.

Als sich ein um die 70 Jahre alter Herr mit viel zu viel Gel im Haar und noch mehr schwerem Parfum in seinem italienisch-maßgeschneiderten elfenbeinweißen Anzug (aus dem er wahrscheinlich vor ungefähr 10 Jahren raus gewachsen war und die Nähte jeden Moment zu platzen drohten) unserem Grüppchen annäherte, wusste ich bereits – das würde nicht gut enden.

Ich sollte Recht behalten: Er räusperte sich, bäumte sich neben uns auf, zeigte auf meine Bekannte und verkündete in einer unüberhörbaren Lautstärke „HEIßESTES GESTELL DES HEUTIGEN TAGES GESICHTET.“



Geschicktes Wortspiel, das muss man ihm ja lassen. Verdutzt drehten sich die wenigen feinen Damen mit Hut und knielangem Kleid um –  alle Männer sowieso.


Und so kam es, dass ich mich anfing umzuschauen und mir meine Gedanken über den Sport Polo zu machen. Wie  hatte es ausgerechnet dieser Sport eigentlich geschafft der Inbegriff des guten Benehmens und einer elitären Veranstaltung zu werden? 


Den elitären Sport kann sich nicht jeder leisten, ganz klar. Und alles was als unerreichbar gilt, will jeder haben. Damit spielte die bekannte Modemarke Polo Ralph Lauren. Das Label, ein Schläger schwingender Polo-Spieler, prangt auf jedem der begehrten „Polo“-Shirts, dem Key-Product der Weltmarke. 


Doch dieses elitäre Begehren hielt sich an diesem Wochenende in Grenzen. Man könnte auch meinen: Berlin steht drüber.

Auf dem Maifeld Cup war jedenfalls nicht mehr all zu viel übrig von einer elitären Veranstaltung.
Und wir befanden uns zum Zeitpunkt des großen Auftritts des netten Herren bereits im VIP Zelt. 

Ich holte mir auf diesen Schock erstmal noch eine 2. Portion Kuchen mit extra viel Schlagsahne – Gutes Essen gab es hier nämlich umsonst.
Und alles was es umsonst gibt, zieht ja bekanntlich so Einiges an. Einzige Hürde: Die Gästeliste. Wer nicht drauf steht, kommt nicht rein. Zumindest nicht in den VIP Bereich.
Da die Veranstaltung aber mittlerweile nicht mehr nur von Engel & Völkers sondern zahlreichen Getränkesponsoren finanziert wird, schaffen es somit auch Hinz & Kunz rein.

Meinetwegen. Aber hätte Herr Hinz denn dann  nicht wenigstens eine Dame mit Hut küren können? Meine Bekannte sah nämlich zugegebener Maßen weniger wie ein Gast auf einem Polo Turnier aus und eher wie auf einer Party in einer Ibiza Beach Bar.

Eins steht fest: Polo hat sich verändert, denn  so exklusiv und elitär wie die Anfänge dieses Sportes waren, ging es hier nicht vor. Viele prominente Gäste und bekannte Gesichter aus dem Berliner Nachtleben waren vertreten, aber auch die hatten sich in Sachen Dresscode nicht wirklich angepasst – hier war von schlecht geschnittenen Anzügen, viel zu engen und kurzen Kleidern bis hin zur Jogginghose alles vertreten. Vielleicht ist dies aber auch so gewollt und tatsächlich das Berlin Statement.
 Was dafür aber seit  Jahrhunderten gleich geblieben ist: Das Augenmerk liegt noch immer nicht auf dem Sport an sich, sondern viel mehr auf dem Event drum rum, auf dem Sehen und Gesehen werden und bei manch Einem eben doch auch einfach auf den „heißen Gestellen – auch ohne Hut.










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